Verbandsvorsitzende im Gespräch

Themen wie Nachhaltigkeit, bezahlbarer Wohnraum, Städteverdichtung und fehlende Fachkräfte beschäftigen derzeit die Baubranche. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für den Holzbau? Wir sprachen mit Verbänden aus Deutschland, Österreich und Europa über Aufgaben und Chancen, die daraus entstehen.

Erwin Taglieber, Verbandsvorsitzender I chairman
Deutscher Holzfertigbau-Verband

Welche Potentiale bietet der Holzbau?
Durch den Beitrag zum Klimaschutz, den die Holzbauweise leisten kann, wird der Holzbau von der Gesellschaft erkannt und es entsteht eine enorme Nachfrage. Dabei werden zukünftig vor allem die Bereiche mehrgeschossiges Bauen und Nachverdichtung in den Städten enorm zunehmen. Durch standardisiertes serielles Bauen kann der Holzbau seine Kapazitäten wesentlich steigern.

Inwiefern verändern sich die Bauweisen?
Der Ein- und Zweifamilienhausbau ist weiterhin unser wichtigstes Marktsegment, aber auch im Objekt- und Mehrgeschossbau wachsen wir. Immer mehr Bauherren erkennen die Vorteile der industriellen Produktion von seriellen Bauteilen bis hin zu ganzen Hausmodulen. Die Vorfertigung macht das Bauen witterungsunabhängiger, schneller, besser steuerbar und qualitativ vergleichbarer. Sie verkürzt nicht nur die Bauphase, sondern auch die etwaigen Einschränkungen der Infrastruktur rund um die Baustelle. Das ist beispielsweise bei der städtischen Nachverdichtung, aber auch für Geschäftskunden sehr bedeutsam. Ein wichtiges Thema ist auch der Bereich Aufstockungen, denn hier kommen die Vorteile unserer leichten und energieeffizienten Bauweise zum Tragen.


Markus Baukmeier, Verbandsvorsitzender I chairman
Europäischer Fertigbauverband
Hans Volker Noller, Verbandsvorsitzender I chairman Bundesverband Deutscher Fertigbau

Wie schätzen Sie den Grad der Digitalisierung im Holzbau ein?
Im Holzfertigbau durchdringt die Digitalisierung schon fast alle Bereiche. Diese Vernetzung sollte allerdings noch weiter ausgebaut werden. Das Ziel sind intelligente Maschinen, die selbstständig Informationen austauschen und Abläufe und Termine koordinieren. Sie kommunizieren direkt mit den IT-Systemen und sind im Idealfall mit Systemen von Zulieferern und Kunden vernetzt. Dadurch ist ein durchgängiger Informationsfluss z. B. zum Vertrieb oder der Entwicklung bis hin zu Systemlieferanten und Kunden gegeben. Die Produktion wird flexibler und effizienter, Fehler- und Störfälle lassen sich auf ein absolutes Minimum reduzieren. Durch seine industrielle Vorfertigung ist der Holzfertigbau ideal geeignet bei der Digitalisierung voran zu gehen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und zu etablieren.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Einsatzes von Holz als Baustoff?
Der Holzbau bietet eine riesige Chance, den steigenden Bedarf an nachhaltigen, energieeffizienten und zugleich wirtschaftlichen Gebäuden zu decken. Die hohe Nachfrage stellt uns aber vor die Aufgabe, die Versorgung mit dem Naturmaterial Holz in Deutschland langfristig sicherzustellen. Aktuell ist ausgerechnet die Fichte als wichtigstes einheimisches Bauholz am stärksten von Sturm und Käferbefall betroffen. Wir werden uns also darauf einstellen müssen, klimaresistente Baumarten zu pflanzen, wenn wir auch in Zukunft unsere Häuser mit Holz aus deutschen Wäldern bauen möchten.

Thomas Elster, Verbandsvorsitzender I chairman
81fünf high-tech & holzbau AG

Welche Herausforderungen werden den Holzbau die nächsten Jahre begleiten?
Der Baustoff Holz wird an Attraktivität gewinnen. Die CO²-Thematik und hoffentlich auch die Bewertung des Primärenergieeinsatzes lassen die Nachfrage steigen. Diese dann in entsprechender Qualität zu bedienen, halte ich für eine zentrale Herausforderung. Zudem müssen Bauherren und Architekten digitaler werden, sich mehr mit BIM beschäftigen und dies auch fordern.

Inwiefern sollten sich die Fertigungsprozesse verändern?
Unsere Bauweise und die Art der Planung sind sehr komplex und aufwendig. Hier müssen wir als erstes ansetzen. Daraus werden sich positive Effekte für die Fertigung ergeben.

Weniger Vielfalt in Material und Details, klar strukturierte Abläufe, die häufig zum Einsatz kommen und damit die Möglichkeit vermehrt auf Mechanisierung und Automatisierung zu setzen.

Wilhelm Bauer, Verbandsvorsitzender I chairman
ZimmerMeisterHaus
Josef Gruber, Verbandsvorsitzender I chairman
Österreichischer Fertighausverband

Wie kann die Produktivität und Qualität im Holzbau erhöht werden?
Wir müssen noch mehr als bisher auf die Vorfertigung mit ihren klar strukturierten Abläufen setzen und den gesamten Projektablauf noch stärker als bisher digitalisieren. Für mich gibt es eine einfache Faustregel: Je höher der Vorfertigungsgrad und je perfekter die Ausführung, desto weniger Probleme auf den Baustelle und daraus resultierend weniger Kosten und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Wo es mit „digital“ aber heute noch nicht weit her ist, das ist die Baustelle. Hier wurde bislang viel zu wenig analysiert, inwieweit Prozesse vereinfacht und optimiert werden können, ob nicht vielleicht noch mehr Arbeitsschritte statt erst auf der Baustelle schon in der Vorfertigung erledigt werden können. Im gesamten Prozess eines Bauvorhabens von der Planung bis hin zum Rückbau wird am ehesten noch auf der Baustelle improvisiert. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Einsatzes von Holz als Baustoff? Der Holzbau bietet eine riesige Chance, den steigenden Bedarf an nachhaltigen, energieeffizienten und zugleich wirtschaftlichen Gebäuden zu decken. Die hohe Nachfrage stellt uns aber vor die Aufgabe, die Versorgung mit dem Naturmaterial Holz in Deutschland langfristig sicherzustellen. Aktuell ist ausgerechnet die Fichte als wichtigstes einheimisches Bauholz am stärksten von Sturm und Käferbefall betroffen. Wir werden uns also darauf einstellen müssen, klimaresistente Baumarten zu pflanzen, wenn wir auch in Zukunft unsere Häuser mit Holz aus deutschen Wäldern bauen möchten.

Welche Bedeutung hat für Sie der Baustoff Holz?
Holz ist ein Geschenk der Natur, mit dem wertschätzend und umsichtig umgegangen werden muss. Das Verbauen von Holz, um gesunde, ökologische und nachhaltige Wohnräume mit einem Wohlfühlfaktor zu schaffen, stellt für mich eine würdige Nutzung dar. Wir Holzbauer können stolz darauf sein, diese Nutzung zu ermöglichen. Es trifft uns aber auch gleichzeitig eine enorme Verantwortung: Wir müssen uns dem Baustoff insofern würdig erweisen, als wir bevorzugt heimische Hölzer aus garantiert nachhaltiger Waldbewirtschaftung, mit den kürzesten Transportwegen und durch heimische Sägewerke bearbeitet, verwenden. So schafft der Baustoff zusätzliche Benefits durch eine optimale Ausnutzung der Wertschöpfungskette und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

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