Bauweise mit Zukunft

1950 gegründet, zählt die im Schwäbischen Oberstetten ansässige Schwörer-Haus KG heute mit rund 1000 gebauten Häusern im Jahr zu den größten deutschen Fertighausunternehmen. Als Pionier der Automatisierung ist das Unter-nehmen außerdem der erste WEINMANN Kunde im Bereich Fertigungsanlagen für den Holzbau: 1993 investierte es in eine CAD-Fertigungslinie für Wandelemente, die später weiter ausgebaut wurde und bis heute in Betrieb ist. 2014 folgte die Investition in eine Fertigungslinie für Sonderbauteile, 2019 eine Deckenlinie in der im Mai 2019 eingeweihten neuen Produktionshalle. Beide sind eng verbunden mit den „Flying Spaces“, mit denen Schwörer 2010 in den Modulbau eingestiegen ist.

„Das Problem des Fertigbaus ist, dass nach einer hochpräzisen Fertigung der Bauteile der komplette Ausbau des Gebäudes auf der Baustelle stattfindet“, erläutert Geschäftsführer Johannes Schwörer den Grundgedanken des Modulbaus. Der habe schon seinen Vorgänger Hans Schwörer beschäftigt, „denn auf der Baustelle braucht man wegen des Ausbaus nicht nur erheblich länger, man holt sich bei den Gewerken des Innenausbaus auch zusätzliche Problempotentiale ins Haus. Hätte man den gesamten Bauvorgang in der Halle, wäre etwa bei Anschluss-, Installations-, Fliesen- oder Malerarbeiten ein deutlich besseres Qualitätsmanagement möglich.“ Auch der chronische Fachkräftemangel liefert Argumente für den Modulbau. Schwörer-Werksleiter Jochen Renner: „Alle tun sich momentan schwer gute Handwerker zu bekommen. Dies erst recht, wenn diese Handwerker deutschlandweit zur Montage im Einsatz sind. Wenn man wie bei den »Flying Spaces« das Gros des Bauvorgangs mit geregelten Arbeitszeiten in die Halle verlegt, löst sich dieses Problem quasi von selbst.“

Unvergleichliche Flexibilität
Kunden überzeugt der Modulbau mit kurzer Bauzeit, hoher Qualität, problemloser Abwicklung und unvergleichlicher Flexibilität. Deshalb ist die Nachfrage seit 2010 stetig gestiegen, bisher hat Schwörer seit der Markteinführung 300 Module gebaut. Besonders hoch ist derzeit die Nachfrage nach modularen Anbauten. „Flying Spaces“ können außerdem als Tiny House oder als „fliegende“ Verkaufsstände genutzt werden, darüber hinaus sind Mehrmoduler und Mehrgeschosser bis hin zum Appartementhotel möglich. So könnten zum Beispiel junge Familien ein Minihaus als kostengünstigen Einstieg in den Hausbau bauen, dieses bei Familienzuwachs durch einen Anbau und ein zusätzliches Geschoss erweitern und es im Alter zum Bungalow zurückbauen. Damit machen Module lebenslanges Wohnen im gewohnten Umfeld möglich. Gleiches gilt für Senioren, die ihr Haus an die Kinder übergeben und sich einen Modul-Bungalow im Garten bauen. Attraktiv für Senioren ist außerdem das Bauen in Gruppen von Gleichgesinnten – zum Beispiel mit mehreren Einge-schossern und überdachtem Innenhof. Auch in der städtischen Nachverdichtung sieht Johannes Schwörer ein interessantes Anwendungsfeld, neben Anbauten hat das Unternehmen bereits erste Aufstockungen mit Modulen ausgeführt. Als attraktiven Problemlöser in Zeiten knapper und teurer Grundstücke sieht er Module außerdem beim temporären Bauen – etwa bei der befristeten Bebauung von Stadtbrachen oder beim Bauen für Familien, bei denen aus beruflichen Gründen ein Ortswechsel anstehen könnte. Das temporäre Bauen ist auch für institutionelle Auftraggeber interessant. Momentan verhandelt man in Oberstetten zum Beispiel mit einer Universität, die auf ihrem Gelände temporäre Studentenwohnungen bauen möchte, bevor dort in einigen Jahren ein Erweiterungsbau entstehen wird. Unter Dach und Fach ist der Auftrag zu einem weiteren Großprojekt: einem Appartementhotel, für das 40 Module geordert sind.

Die FlyingSpaces sind vielseitig einsetzbar, bspw. als MiniHaus, Anbau oder auch als Aufstockung.

Modulfertigung in neuer Halle
Mit diesem Großauftrag könnte SchwörerHaus 2020 erstmals die geplante Stückzahl von 100 Modulen im Jahr erreichen. Die produktionstechnischen Ressourcen für hohe Stückzahlen wurden mit dem Bau der neuen, 40 x 145 m großen Halle in Oberstetten geschaffen. Hier können je nach Größe 15-20 Module gleichzeitig in einem fortlaufenden Workflow gefertigt werden. Dabei laufen sie auf Schienen, über die sie je nach Baufortschritt von Arbeitsstation zu Arbeitsstation weitertransportiert werden – bis hin zur Verladestation, wo ein 40 m breiter Hallenkran mit 32 t Traglast das fertige Modul aufnimmt und auf einen in die Halle eingefahrenen LKW verlädt. Die eigentliche Modulfertigung nimmt allerdings nur die Hälfte der Hallenfläche ein. Die andere Hälfte wird von einer neuen WEINMANN Deckenlinie belegt, über die in absehbarer Zeit auch die Bodenund Dachelemente der Module laufen sollen.

Werksleiter Jochen Renner: „Nach der schrittweisen Produktionsverlagerung von der alten zur neuen Deckenteil-Linie arbeiten wir jetzt mit Hochdruck daran, die Fertigung der Modulteile auf dieser Linie zu realisieren.“ Wobei die Hauptschwierigkeit darin liegt, dass die Balken in den Modulteilen anders als bei den Deckenelementen quer zur Produktionsrichtung verlaufen. Die Deckenlinie besteht aus fünf Montagetischen und zwei Multifunktionsbrücken WALLTEQ M-380, zwei Tische sind als Schmetterlingswender ausgelegt. Als Ergänzung ist die Anlage mit einem von Schwörer entwickelten, vollautomatischen Zuschnitt für Glasfaser-Dämmstoffe und zwei halbautomatischen Saugrobotern für das Auflegen von Beplankungsmaterial ausgestattet.

Wandfertigung auf der Sonderlinie
Die Wandelemente der „Flying Spaces“ werden schon seit 2015 auf der Sonderwandlinie von WEINMANN produziert. Auf dieser Linie sind überlange Wandelemente bis 14,50 m möglich, woraus sich auch die Maximallänge der „Flying Spaces“ ergibt. Die Wandhöhe variiert bei Schwörer zwischen 70 und 320 cm, prinzipiell könnte die Linie sogar Elemente ab 40 cm Höhe bearbeiten. So kann man einerseits Sonderelemente wie Vorhangfassaden, Giebel, Gauben und Kniestockwände produzieren, andererseits die Höhe eines modularen Anbaus exakt an das Bestandsgebäude anpassen. Die Sonderwandlinie besteht aus sechs WEINMANN Montagetischen inklusive Schmetterlingswender und einer Multifunktionsbrücke WALLTEQ M-380, welche die Elemente auf zwei Tischen bearbeitet. Mit dabei sind ein Tisch zur Montage von Putzträgerplatten und ein Aufstelltisch, der die Elemente ans Finish weitergibt. Über einen weiteren Arbeitstisch können Elemente zeitweise ausgeschleust werden um Holzfassaden zu montieren.

Weiterhin steigende Nachfrage
Auch wenn die Nachfrage nach den „Flying Spaces“ weiter zunehmen sollte, ist man bei SchwörerHaus von der Fertigungskapazität her bestens für eine solche Entwicklung aufgestellt. Momentan orientiert man sich bis auf Weiteres am Plan von 100 Modulen/Jahr, auch wenn man in Oberstetten ein großes Potential für den Modulbau sieht. Jochen Renner: „Vor allem in den Ballungsgebieten wird die Nachfrage angesichts exorbitant steigender Grundstückspreise zunehmen. Dort wird es immer attraktiver, durch Anbauten oder Aufstockungen nachzuverdichten.“ Auch Johannes Schwörer geht davon aus, „dass die Nachfrage nach den »FlyingSpaces« weiter zunehmen wird – vorausgesetzt, dass man alles richtig macht. Der Kunde ist bereit, etwas mehr für diese gute Idee zu bezahlen, aber nicht unbegrenzt. Man muss bei dieser Bauweise also auf ein gut austariertes Preis-/Leistungsverhältnis achten.“

Vertrauen verbindet –
Bereits seit 1993 arbeitet SchwörerHaus
mit WEINMANN Anlagen

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