Räume fürs Leben

Ökologisch Bauen – dies ist der Grundsatz des Holzbaubetriebs HolzHaus Bonndorf aus dem Schwarzwald. Holzwirtschaftsingenieur Florian Hegar, der seit kurzem gemeinsam mit seinem Vater Bernhard Hegar das Unternehmen leitet, gibt einen Einblick in das Unternehmen und zu aktuellen Entwicklungen im Holzbau.

Herr Hegar, geben Sie uns einen Einblick in Ihr Unternehmen.
Vor 26 Jahren hat mein Vater die Firma in Bonndorf gegründet. Von Beginn an vereinte er die Gewerke Schreinerei und Zimmerei, um Häuser aus einer Hand zu bieten. Heute beschäftigen wir rund 90 Mitarbeiter und bieten alle Bereiche rund um das Bauen schlüsselfertig an – Planung, Innenausbau und natürlich den Hausbau.

Florian Hegar
Picture Source: HolzHaus Bonndorf

Der Holzbau ist in aller Munde. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Ich sehe die zukünftige Entwicklung des Holzbaus sehr vielversprechend. Gerade im Projektbau stehen wir noch ganz am Anfang, mit dem was der Holzbau leisten kann. Hier steckt noch sehr viel Potential. Die Vorfertigung ermöglicht es uns, Planungsfehler frühzeitig zu erkennen und zu lösen. 3D-Modellationen zeigen bereits in der Planungsphase Problemstellungen auf. Dadurch lässt sich die Baustelle optimieren und kürzere Bauzeiten realisieren. Dies ist gerade mit Blick auf die urbane Nachverdichtung extrem entscheidend. Denn lange Bauzeiten bedeuten große Einschränkungen, vor allem in Regionen mit einer hohen Verkehrsdichte. Wenn wir durch die Holzbauweise diese Zeiten verkürzen können, ist das ein deutlicher Vorteil. Zudem haben wir durch die detaillierte Vorplanung und die 3D-Modellierung eine sehr hohe Ausführungsqualität. Alles Faktoren, die sich auf die Bauzeiten positiv auswirken und speziell für Bauträger ausschlaggebend sind. Umso wichtiger ist es dies an aussagefähigen Zahlen darstellen zu können. Das bedeutet der Holzbau muss sowohl preislich als auch in der Bauzeit konkurrenzfähig sein. Und das ist der Holzbau heute. Der Baustoff Holz löst viele Probleme, welche mit klassischen Baumaterialien nicht lösbar sind. Und dazu kommt dann natürlich noch der ökologische Faktor.

Picture Source: HolzHaus Bonndorf
Picture Source: HolzHaus Bonndorf

Welchen Anteil nimmt der Mehrgeschossbau inzwischen bei Ihnen ein?
Durch die Anpassungen der gesetzlichen und normativen Grundlagen hat sich in den letzten sechs Jahren dieser Bereich sehr stark entwickelt. Inzwischen macht der Mehrgeschossbau 30-40 % unseres Umsatzes aus. Der Großteil dieser Projekte sind mehrgeschossige Gebäude für den Wohnungsbau. Unseren Wandaufbau – der komplett leimfrei ist – können wir bis zur Gebäudeklasse 5 einsetzen. Denn auch bei höheren Gebäuden wollen wir unserem Anspruch ökologisch zu bauen, gerecht werden.

Welche Herausforderungen sehen Sie für den Holzbau in den nächsten Jahren?
Aus meiner Sicht ist es ganz klar, dass wir die Verwendung von Laubholz im konstruktiven Holzbau stärken müssen. Momentan greifen wir auf Hölzer, wie Tanne und Fichte, zurück. Hier finden sich noch viele ungenutzte Potentiale. Unser ökologischer Anspruch beinhaltet auch, dass wir regionales Holz verwenden. Daher kaufen wir unser Holz nur im Nord- und Südschwarzwald. Umso wichtiger ist es für uns, die regionale Versorgung weiter auszubauen. Dafür ist die  Entwicklung von Laubhölzer als Baumaterial umso wichtiger. Das ist eine riesige Herausforderung. Aber schon heute zeigt sich, dass es notwendig ist. Betrachten wir nur die jetzige Situation mit den enormen Preissteigerungen bei den klassischen Holzarten. Umso wichtiger ist es eine hohe Rohstoffverfügbarkeit herzustellen. Hier steckt noch eine große Aufgabe. Die Hochschulen müssen sich mit den Industriebetrieben noch viel mehr vernetzten. Und auch die Sägewerksindustrie, Forstwirtschaft und die Holzbauer müssen mehr zusammenarbeiten und eine langfristige Gesamtstrategie entwickeln. Denn hier brauchen wir Lösungen, um die Rohstoffverfügbarkeit nachhaltig zu gewährleisten.

Räume fürs Leben – der Leitsatz von HolzHaus Bonndorf. Was bedeutet das für Sie?
Das Besondere am Bauen mit Holz ist für mich das Raumklima. Wenn ich in einem Holzhaus stehe, merke ich das sofort, es ist ein ganz anderes Raumklima. Und dies ist unsere Mission: wir wollen möglichst vielen Menschen zeigen, wie angenehm und gesund das Wohnen in Holz ist. Und genau dies drückt unser Leitspruch „Räume fürs Leben“ aus.
Diese Mission ist in unserer Unternehmenskultur fest verankert. Denn auch unseren Mitarbeitern bieten wir Räume fürs Leben. Wir verbringen so viel Zeit bei der Arbeit, umso wichtiger ist es, dass die Mitarbeiter sich wohl fühlen und gerne zur Arbeit kommen. Denn Nachhaltigkeit bedeutet für uns natürlich zum einen ökologisch zu bauen, regionales Holz zu verwenden, kurze Lieferketten zu gewährleisten und die Kreisläufe bei uns in der Region zu stärken. Aber auch Mitarbeitern einen langfristigen Arbeitsplatz bis zur Rente zu bieten und eine Aufgabe und Unternehmenskultur die Spaß macht. Das ist unser Anspruch, denn nur so können gute Produkte entstehen – mit dem Einsatz und der Motivation von jedem Einzelnen.

Picture Source: HolzHaus Bonndorf
Picture Source: HolzHaus Bonndorf

Dieses Jahr steht noch eine große Veränderung in Ihrer Produktion an. Erzählen Sie uns mehr darüber.
Wir haben uns entschieden unsere manuelle Produktion zu automatisieren. Wir haben heute noch sehr viele händische Prozesse, bei denen unsere Mitarbeiter viele Stunden am Tag auf den Knien oder in gebückter Haltung arbeiten müssen. Hier wollen wir für eine Entlastung sorgen und die Prozesse automatisieren. So bieten wir unseren Mitarbeitern einen ergonomischen Arbeitsplatz und können so auch älteren Mitarbeitern die körperliche Arbeitsbelastung im letzten Teil ihres Arbeitslebens verringern. Die Arbeitsergonomie stand für uns bei dieser Entscheidung ganz klar im Vordergrund. Aber natürlich nutzen wir dies auch für einen höheren Produktionsoutput. So gewinnen beide Seiten: Wir als Unternehmen erhöhen die Schlagkraft und der Mitarbeiter profitiert durch die höhere Arbeitsergonomie. Bei der Suche nach der richtigen Technologie hat uns WEINMANN super unterstützt. Gemeinsam mit uns, haben sie unsere bestehenden Produktionsabläufe betrachtet, analysiert welche Potentiale es gibt und auf dieser Basis die Anlage für uns projektiert. Dabei hat WEINMANN immer den gesamten Prozess betrachtet und dafür die entsprechende Lösung entwickelt. Diese Beratung und Entwicklung einer Lösung, die komplett auf unsere Bedürfnisse abgestimmt ist, ist wirklich einmalig und hat uns überzeugt. Die Anlage ist ganz genau auf unsere Anforderungen und unseren Betrieb abgestimmt. Mit einer Dreitischanlage werden wir zukünftig unsere kompletten Wand-, Dach- und Deckenelemente fertigen. Neben der Multifunktionsbrücke WALLTEQ M-380 für die Elementbearbeitung haben wir zudem mit der WALLTEQ M-310 insuFill eine separate Station für das Dämmen der Elemente. Wir freuen uns jetzt schon auf die Maschinen!

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