Öko-Haus aus heimischen Wäldern

Gesundes Raumklima, angenehmer Duft und in wenigen Tagen gebaut. Eigenheime aus Holz liegen im Trend. Die österreichische Firma Griffner hat sich auf nachhaltige Fertighäuser spezialisiert. Maschinen von Weinmann sichern die schnelle und individuelle Produktion.

Dass es bei Griffner ums Holz geht, ist kaum zu übersehen. In der Fabrikhalle brummen Sägen, es duftet nach Fichtenspänen. Balken stützen Wände und Dächer. Die Außenwände der Firmengebäude sind mit Holz verschalt. In den Büros schmücken helle Dielen die Böden. Kein Zweifel: Holz steht im Mittelpunkt des Unternehmens aus Österreich.

Eine halbe Autostunde vom Wörthersee entfernt, baut Griffner Fertighäuser, die ganz besonders sind. „Wir arbeiten ausschließlich mit natürlichen Materialien“, sagt Firmenchef Georg Niedersüß. Alles ist ökologisch und baubiologisch zertifiziert, Beton und Metall wird nur im Ausnahmefall verwendet. Nachhaltig geht es auch in der Fertigung zu. Sägespäne verarbeitet der Betrieb zu Pellets, um die eigene Heizung zu befeuern. Die Fahrzeugflotte besteht aus Elektroautos, der Chef selbst fährt Tesla.

Griffner Haus/Helge Bauer

Niedersüß pflegt seinen eigenen Stil: Hemd und Jeans statt Anzug, ein Dreitagbart rundet das Bild ab. „Ich bin ein konservativer, kapitalistischer Grüner“, beschreibt er sich selbst. Diese Haltung dürfte ein Grund gewesen sein, weshalb er vor acht Jahren das insolvente Unternehmen Griffner übernommen hat. Zuvor hatte er als Franchisenehmer Baumärkte geführt, die er an eine große Kette verkaufte. Doch vom Vermögen leben, das wollte er nicht.

Einen ökologischen Fertighausanbieter zu führen, war hingegen nach seinem Geschmack. Nach der Schule wollte Niedersüß mal Architekt werden, entschied sich dann aber für ein Wirtschaftsstudium. Natürlich habe er nach dem Kauf von Griffner schlaflose Nächte gehabt, räumt er ein. So lange bis er das erste Eigenheim an den Kunden übergeben konnte. Das war der Befreiungsschlag.

Ein fertiges Haus in wenigen Tagen

Heute fertigt Griffner rund 100 Häuser pro Jahr. Die 100 Beschäftigten planen die Projekte gemeinsam mit den Kunden, kaufen Holz aus nahen Wäldern, schneiden es in der Werkhalle zu und fertigen daraus Wände, Decken und Dächer. Lastwagen fahren die Fertigbauteile auf die Baustelle. Nur wenige Tage dauert es, bis aus rohem Holz ein Haus entstanden ist. Kein Vergleich zum klassischen Bau, wo Maurer monatelang Wände aus Ziegeln und Zement hochziehen.

Holz ist der Baustoff der Zukunft – davon ist Niedersüß überzeugt. Besonders in Österreich, wo die halbe Landesfläche mit Bäumen bedeckt ist. Jede Sekunde wächst ein Kubikmeter Holz nach. Das reicht für mehr als 2000 Einfamilienhäuser pro Tag!

Auch mit Blick auf den Klimawandel gibt es für den Griffner-Chef keine Alternative zum Holz. Jeder verbaute Kubikmeter bindet eine Tonne CO2. Sie wird dem Kohlenstoffkreislauf für lange Zeit entzogen, denn in der nachhaltigen Forstwirtschaft werden gefällte Bäume sofort nachgepflanzt.

Der im herkömmlichen Betonbau enthaltene Zement ist dagegen ein Klimakiller mit verheerender Ökobilanz. Die Zementindustrie allein steht für rund acht Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes. Österreich zieht bereits Konsequenzen. Das Regierungsprogramm sieht vor, bei öffentlichen Bauvorhaben die Verwendung von Holz künftig besonders zu fördern.

Griffner Haus/Helge Bauer
Griffner Haus/Helge Bauer

Eigenheim als Kohlenstoffspeicher

Aber bleiben Holzhäuser auch lange genug stehen, um CO2 auf Dauer zu speichern? Niedersüß nickt. „Wenn sie gut gegen Nässe geschützt sind, können sie 200 bis 300 Jahre alt werden.“ Hölzerne Stabkirchen in Norwegen seien sogar mehr als 1000 Jahre alt. Gebrauchtes Holz lasse sich außerdem sehr gut wiederverwerten. 

Diese Gründe veranlassen immer mehr Menschen, mit Holz zu bauen. In Österreich bestehe jedes dritte neue Ein- und Zweifamilienhaus aus dem nachwachsenden Rohstoff, sagt Niedersüß. In Deutschland ist es jedes fünfte – Tendenz steigend.

Mittlerweile gibt es sogar Hochhäuser aus Holz – zum Beispiel im Osten Wiens. Das Holzhochhaus (HoHo) hat 24 Stockwerke und eine Höhe von 84 Metern. Auch in Norwegen, Deutschland, Japan, Kanada und den USA gibt es moderne, imposante Holzgebäude. Darunter sind nicht nur Hochhäuser, sondern auch kühne Bogenkonstruktionen, die an Kathedralen erinnern.

Griffner baute 2020 für einen ukrainischen Kunden im Burgenland eine Villa mit 500 Quadratmetern Fläche. In der Regel orientieren sich die Eigenheime des Unternehmens aber an übersichtlicheren Vorbildern. „Wir wollen, dass unsere Kunden wissen, worauf sie sich einlassen“, sagt Niedersüß. Er bietet Informationsabende in Musterhaussiedlungen an und wer will, darf sich für ein Wochenende zum Probewohnen in ein Holzfertighaus in der Steiermark zurückziehen.

Gut gedämmt mit Holzfaser und Kork
Weite Räume, große Fenster und viel Licht zeichnen die Häuser von Griffner aus. Zur ersten Orientierung bietet der Hersteller verschiedene Baustile an, von denen sich Baufamilien inspirieren lassen können. Alles kann, nichts muss. Die Fachleute von Griffner verwirklichen individuelle Lösungen ganz nach Wunsch des Kunden.

Vorgesehen ist ein strukturierter Prozess von der Idee bis zur Schlüsselübergabe. Für den Eigenheimbau typische Streits zwischen Eheleuten sollen gar nicht erst aufkommen. Niedersüß ist überzeugt: „Paare, die sich für ein Griffner-Haus entscheiden, bleiben länger verheiratet.“  Seine Kunden will der Chef möglichst persönlich kennenlernen. „Das hilft mir, sie noch besser zu verstehen.“ Dabei kommt oft auch das angenehme Raumklima zur Sprache, das durch die verwendeten Naturstoffe entsteht. Die Außenwände sind mit Holzfaser und Kork gedämmt, hinzu kommt eine Schicht aus Naturgips. „Damit erzielen wir einen deutlich besseren Hitzeschutz als andere Fertighäuser“, sagt Niedersüß. Im Winter wiederum hält sich die Wärme besser, was Heizenergie spart. Studien belegen diese Aussage. Eine 20 Zentimeter starke, mit Dämmstoff gefüllte Fertigbauwand aus Holz dämmt genauso gut wie eine fünf Mal so dicke Betonwand.

Neuer Maschinenpark für mehr Effizienz

Auf dem Weg vom Bürogebäude in die Fertigung fällt der Blick auf bewaldete Berge, die Frühlingssonne speist Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Halle. In ihrem Innern reihen sich nagelneue Maschinen und Anlagen für den Bau der Fertighauselemente. Da Griffner für eineinhalb Jahre mit Aufträgen eingedeckt ist, kommt es darauf an, Wände, Dächer und Decken möglichst effizient zu fertigen. „Kann ich zehn Prozent mehr produzieren, macht sich das sofort im Umsatz bemerkbar“, sagt Niedersüß.

Seit Jahrzehnten setzt das Unternehmen auf Technik von Weinmann. Die Männer und Frauen in der Produktion erstellen zunächst das Riegelwerk auf dem Montagetisch. Die Zimmermeisterbrücken fräsen anschließend Öffnungen für Fenster und Türen in das Wandelement. In die Hohlräume blasen Spezialmaschinen Dämmstoff ein.

Vor 22 Jahren hatten die alten Eigentümer zum letzten Mal neue Weinmann-Anlagen gekauft. Die funktionierten zwar noch, hatten aber einen Nachteil: Die Software entsprach nicht mehr dem Stand der Zeit. Griffner entschloss sich deshalb, den Maschinenpark zu erneuern. Dabei planten die Projektleiter von Weinmann einen weiteren Einlegetisch ein. „Auf diese Weise konnten wir einen Engpass beseitigen, wodurch sich die Taktzeit um fast ein Drittel verringern lässt“, sagt Niedersüß.

Zusätzlich wurde die Fertigung der Dach- und Deckenlinie automatisiert. Hier kommt ebenfalls eine Zimmermeisterbrücke zum Einsatz. So fertigt Griffner heute Wand-, Dach- und Deckenelemente mit einem hohen Vorfertigungsgrad. Dadurch lässt sich das Haus auf der Baustelle noch schneller montieren.

Die Entscheidung für Weinmann fiel Niedersüß nicht schwer. „Wir haben gute Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht.“ Die Anlagen seien außerdem vielseitig einsetzbar und vom Preis-Leistungsverhältnis ideal.

Jetzt, wo die neuen Anlagen laufen, hat Niedersüß mehr Zeit für ein anderes wichtiges Projekt. Seit 23 Jahren bewohnt er ein konventionelles Haus aus Ziegeln, 25 Kilometer vom Firmensitz entfernt. Da die Kinder groß sind, will er mit seiner Frau umziehen – selbstverständlich in ein gesundes, nachhaltiges Griffner-Haus.

Text: Heimo Fischer

Fotos: Griffnerhaus

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